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1. Männer | 14.05.2017

Wochen der Wahrheit Teil 4 - Truthe hat den Tiger aus dem Tank gelassen

Reisegruppe 'Auswärtssieg - Nichtabstieg - LL 2017/2018'
Reisegruppe 'Auswärtssieg - Nichtabstieg - LL 2017/2018'

Sonntag 14.05.2017 13:30 Uhr. Die Mannschaft und zahlreiche Anhänger haben am Dreiländereck den Bus bestiegen, um sich auf eine Reise mit ungewissen Ausgang zu machen. Die Spannung war spürbar. Es sollte um Alles oder Nichts gehen. Landesliga 2017/2018 ja oder nein. Am Vortag haben bereits die direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt vorgelegt. Uelzen zwang Heidmark in die Knie und Munster hat mit Lüneburg kurzen Prozess gemacht. Salzwedel war nun im letzten Spiel der Saison in der Pflicht nachzulegen und den Klassenerhalt aus eigener Kraft und ohne Hoffnung auf irgendwelche Auf- und Abstiegsregelungen klar zu machen.

Die Fahrt gestaltete sich ruhig. Einige Spieler nickten eine Rund über, um Kraft für das Spiel zu tanken. Plötzlich - Höhe Lüneburg - Aufregung. Vermutlich eine als Lüneburgerin getarnte Winsenerin griff gefährlich in den Straßenverkehr ein, indem sie mit einer selbstmörderischen Geschwindigkeit von 10?! km/h in den 100 km/h schnellen, fließenden Verkehr einordnete und den Bus fast zum Stillstand ausbremste. Nur durch die schnelle Reaktion unseres Busfahrers Kurt konnte hier ein Reiseabbruch verhindert werden. Durch die Notbremsung saßen alle Mitreisenden zwei Reihen weiter vorn und waren wieder wach - hellwach. Auch der Angriff auf die Reisegruppe durch einen Winsener Fahrradfahrer konnte im letzten Moment abgewehrt werden. Alle waren hochkonzentriert. Vor dem Warmlaufen bot Trainer Nico Truthe noch einen Meditationskurs an. Die Mannschaft durchlebte in kürzester Zeit die Stimmungsschwankungen zwischen verdientem Sieg gegen Schneverdingen, desolater Niederlage gegen Clenze und berauschendem Sieg gegen Munster. Alle waren darauf fokussiert, das Gefühl des Sieges ein letztes Mal in dieser Saison zu erleben.

Und so begann auch das Spiel. Euphorisiert durch einige gute Aktionen und aus einer aggressiven, beweglichen Deckung heraus gelang schnell die Führung. Das 1:3 durch Schulle stellte das erste kleine Polster dar. Bis zum 3:5 legte Salzwedel kontinuierlich vor. Die Mannschaft saugte alle Kraft vom eigenen lautstarken Anhang und von der Spielerbank in sich auf und pushte sich nach vorn. Doch was passiert, wenn man einen Schnaps zuviel will? Man überdreht. So kämpfte sich Winsen langsam ins Spiel und während die Salzwedeler noch mit sich und den Fehlern haderten, ging Winsen mit 7:6 in Führung und baute diese bis auf 11:7 aus. Dann ein Weckruf - nachdem sich die Mannschaft langsam berappelte, stellten die Schiedsrichter den für die Mannschaft so wichtigen Schulle mit einer vierminütigen Zeitstrafe vom Platz. Ungläubigkeit und Kopfschütteln sorgte im Umkehrschluss aber für das erste Jetzt-erst-Recht-Erlebnis. Die Mannschaft kämpfte sich zurück. Auch in Unterzahl gelang es beim 12:10 wieder zur HG Winsen aufzuschließen. Die Gastgeber wollten die Salzwedeler Wut im Bauch mit einer eigenen Auszeit unterbrechen. Das gelang teilweise, aber beim Strafwurf in der letzten Spielminute der ersten Halbzeit war sogar der direkte Anschlusstreffer möglich. Leider scheiterte Hosh am gut aufgelegten Torhüter und so verabschiedeten sich die Mannschaften mit 14:12 in die Kabinen.

In der Pause machte TNT seinen Jungs bewusst, dass es kein Morgen gibt - dass es egal ist, was nach dem Spiel ist - dass es einfach wichtig ist, an sich zu glauben - dass alle spielerischen Fähigkeiten da sind, um Winsen in eigener Halle zu besiegen. Mit viel Selbstvertrauen kehrte die Mannschaft auf die Platte zurück. Als erstes setzte es allerdings das zweite Jetzt-erst-Recht-Erlebnis. Aus sicherer Entfernung deuteten die Schiedsrichter einen normalen Zweikampf von Schulle als progressiv zu bestrafendes Foul - die dritte Zeitstrafe für den Rückraummotor der Salzwedeler. Die Rote Karte schockte alle, rief aber eine Reaktion hervor, die Winsen nicht beherrschen konnte. Nach dem 15:12 durch Winsen spielte nur noch Salzwedel. Ein 5:0 Lauf drehte das Spiel. Plötzlich stand es 15:17 und Winsen hat gar nicht so recht mitbekommen, was da gerade mit ihnen passiert ist. Noch versuchten sie sich gegen die Niederlage zu stemmen und konnten auch nochmal zum 18:18 ausgleichen, dann brachen aber alle Dämme. Die Salzwedeler Fans füllten die Halle lautstark mit Heimspielatmosphäre, peitschten ihre Jungs nach vorn. Über 18:20 überrannten die Salzwedeler die resignierenden Winsener bis zum 21:26. Das letzte Tor der Partie zum 22:27 war Martin vom Kreis vergönnt, der damit einen Strich unter die arg durchwachsene Saison mit glücklichen Ende setzte. Der Rest war nur noch Jubel und Freude.

Wir wünschen Winsen eine schnelle Rückkehr in die Landesliga und danken für eine faire Partie obwohl die Lage für beide Mannschaften gleich brenzlig wahr. Wir danken für die zahlreiche Unterstützung von der Tribüne, auf der sich an einem späten Sonntag Nachmittag nicht nur die busreisenden Fans sondern viele zusätzlich Anhänger eingefunden haben. Wir danken Nico für die kurzfristige Aushilfe als schleifender, motivierender Cheftrainer. Wir danken Schöni für die Zeit als Führungsspieler und Fitnesscoach in der trainerlosen Zeit. Ob wir Henrik und Daniel für das Paderborner danken, überlegen wir uns, wenn die Kopfschmerzen weg sind. Jetzt wünschen wir allen Salzwedeler Handballern und Handballfreunden eine erholsame Sommerpause und hoffen auf ein Wiedersehen in der LANDESLIGASAISON 2017/2018.

SVT Uelzen/Salzwedel:
Pille und DK (22 Gegentore) - 30-Minuten-Schulle, die Gehrkes, Hosh, Fisch-Maik, Hendrik, Schlawiner, Björn, Schöni, Merd, Böller-Böhlen & Martin (27 Tore) - Nico, Frank & Axel (Siegertaktik)

Quelle: Erste Mannschaft